Eigentlich stellt man sich doch einen Umzug ganz einfach vor. Kisten einpacken, ins Auto schaffen, zum Zielort fahren, Kisten aus dem Auto holen, Kisten auspacken, und Abends auf der Couch liegen. Eigentlich.
Heute wissen wir, daß ein Umzug eine große Sache ist, die man nicht allzu häufig macht. Wenn man kein Student mehr ist, sondern schon eigenes Geld verdient, dann kommt ein ganzer Rattenschwanz an Aufgaben mit dem Umzug.
Da kann Kisten packen schon mal eine Woche dauern. Dabei gehen einem dauernd Kartons aus. Stress. Auch das Papier zum einpacken geht alle. Stress. Schnell zum Altpapiercontainer laufen. Stress. Dann fällt einem auf, daß manche Kartons schwerer sind. Schon denkt man über den Verkauf von Büchern nach. Und wieso habe ich eigentlich so viele Ordner? Aus der Studienzeit und aus der Schulzeit. Nostalgie kann ganz schön unpraktisch sein. Insbesondere, wenn es sich um Rechnungen aus dem Jahr 1998 handelt. Ein Ordner nach dem anderen wurde geleert. ImHinterkopf der Gedanke, daß leere Ordner noch nützlich sein könnten; und auch die Klarsichthüllen. Das hat zur Folge, daß ich einen Karton nur mit leeren Ordnern im Keller stehen habe.
Migriert man zwei Haushalte, kommt Diskussion auf. “Was ist doppelt, was brauchen wir? Wie Du findest das nicht schön? Aber es gibt dochmehr her als Dein selbstgestrichenes etwas! Na gut, dann machen wir es halt so. Aber meine Fotoausrüstung kommt nicht in den Keller, viel zu feucht.” Oder: “Ja,es ist schön, aber so weiblich. Ob ich mich damit identifiziere kann.” Das Problem hat sich selbst gelöst.Ich stelle fest, daß ich belastbar und flexibel bin. Irgendwann ist es mir egal, sobald ich Abends auf der Couch sitzen kann. Dann ist mir das Violett der Vorhänge auch egal. Aber ehrlich: es hat schon einen coolen Stil.
Was gepackt ist, muß auch verladen werden. Also einen Transporter reservieren (mit Zielort) und Hife für Saarbrücken, Kaiserslautern (Zwischenstation), und Karlsruhe organisieren. Ging gut.
Das Packen lief super, nur hatten wir keine Ahnung, wie wir in das volle Auto noch eine Couch, einen Schrank, ein Regal und einen Schreibtisch packen sollten. Auf der Fahrt nach Kaiserslautern haben wir uns überlegt, daß wir in Kalrsruhe schnell abladen und nochmal in Kaiserslautern die zweite Ladung holen. Glücklicherweise ist mein Sonnenscheins Papa ein Packmonster mit viel Erfahrung und einer 3D Vorstellungskraft. Hinterher habe ichmich geschämt, wieviel Platz ich beim Packen vergeudet habe. Obwohl mir sechs weitere Augenpaare zur Verfügung standen.
Auspacken in Kalrsruhe lief wie geschmiert. Als mein Papa und ich den Transporter zurückbrachten, hatten die helfenden Hände schon ganz viel aufgebaut. Schneller als ich eine Anleitung lesen kann. Am Abend waren wir groggy.
Am zweiten Tag in Karlsruhe wurde nochmals das Bauhaus besucht und weitere Dinge erledigt. Kisten wurden ausgepackt. Der Service von Kabel-BW hat uns das Internet angeschlossen. Den Termin habe ich aus der Ferne in der Schweiz gemacht.
Am Dienstag wurde die Küche geliefert. Am Abend fing dann der Spülmaschinen-Marathon an. Endlich mal alles Geschirr gründlich säubern. Nicht ohne vorher die notwendigen Mittel im nahe gelegenen REWE zu holen. Am Abend haben wir uns dann mit einer selbstgemachten Pizza belohnt. Lecker!
Der Mittwoch nutzen wir für einen Besuch des Einwohnermeldeamts. Die Küchenlampe und die Gardinen mußten in der Diele angebracht werden. Der Muskelkater war vorprogrammiert. Aber angeblich sieht ein Mann mit einer Bohrmaschine männlich aus. Ich sollte gelegentlich in den Keller, die Bohrmaschine holen.
Am Donnerstag wurde die Waschmaschine geliefert. Dem Spül- folgte der Wasch-Marathon. Weiteres Gewusel. Bei Gelegenheit fing ich an, meine Mails abzuklappern. Es hat sich einiges angesammelt.
Am Freitag waren wir imPrinzip fertig. Sonne war vorhergesagt und wir wollten uns einen schönen Tag machen. Doch es blieb kalt und grau. Und unsere Einkaufsliste wurde länger. Insbesondere braucht man in Kalrsruhe einen Wasserfilter. Das Wasser ist recht hart. Kaum hast Du mal was abgewaschen,schon siehst Du Kalkreste in der Spüle. Ärgerlich.
Der erste Besuch kam am Samstag. Freunde, die uns schon während der Wohnungssuche freundlich empfingen, kamen im Gegenzug zu einem Kaffee. Zusammen verbrachten wir den Tag in den Abend. Bei einem Inder, wo es All-You-Can-Eat gab, wuchsen die Bäuche.
Und endlich: Sonntag. Ausschlafen und im Pyjama frühstücken. Zum ersten Mal seit Monaten. Wir hatten das Gefühl, daß der Stress nachläßt. Obowohl er erst bevorstand.
Während mein Sonnenschein am Montag den ersten Arbeitstag bestritt, durfte ich mich um die Waschmaschine, ums Kochen, ums Einwohnermeldeamt etc. kümmern. Und hey, ich stehe morgens um 6 Uhr auf.








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