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Sep 18
In Shanghai gibt es eine Reihe von Parks, die man zu verschiedenen Tageszeiten besuchen sollte. Morgens und Abends treffen sich häufig Gruppen meist älterer Leute, um gemeinsam Sport zu machen, zu tanzen, zu musizieren etc. Wer die etwas “skurilere” Art bevorzugt, sollte Sonntags in den People’s Park. Dort gibt es neben fantastischen Aussichten auf die Wolkenkratzer rundherum verschiedene Ecken.
Language/English Corner. Hier treffen sich Chinesen, die einen Sprachtandempartner suchen, oder sich zumindest untereinander in einer Fremdsprache unterhalten wollen. Verliert sich ein Tourist in dieser Oase und strandet in der besagten Ecke, hat er ein Problem. 150 Chinesen stürmen auf einen zu und jeder will seine Sprachkenntnisse beweisen durch subtile Fragen wie: “How old are you? Where are you from? Do you like Shanghai? How long are you staying? What have you seen? What are you planning to do? What are you doing in Germany?” Letztere Frage ist meine Lieblingsfrage. Ich antworte ehrlich, daß ich promoviere und beobachte das ungläubige Staunen mit dem nachfolgenden Satz: “You must be very intelligent.” Das wirkt wie ein Kompliment und geht einem runter wie Öl, hört man doch sowas sehr selten in Deutschland. Da fällt es einem leicht, bescheiden zu sein, und seinen neuen Jüngern ein wenig Glück vorzugaukeln. Man muß nämlich wissen, daß nur wenige Chinesen eine hohe Bildung genießen dürfen und bei einer Einwohnerzahl von 17,5 Mio. Shanghai Chinesen ist es statistisch eher selten, daß man auf einen promovierten Chinesen trifft. Ist schon erstaunlich, wie sehr ich mich in meinen Berufsumfeld heimisch und alteingesessen fühle.
Eine Bemerkung muß ich noch anbringen: Es ist nicht ungewöhnlich, daß man von gut Englisch sprechenden Chinese angesprochen wird. Viel zu häufig stellen sie sich als Studenten aus Peking vor, die gerade eine Reise nach Shanghai machen oder für einen Professor Kunstobjekte nach einer Ausstellung verkaufen. Nach 10-15 Minuten SmallTalk wollen sie plötzlich mit Dir zusammen die Gegend erkunden und haben auch schon gaaaaaanz heiße Tips, wohin es gehen soll. Zu 60% in ein angeblich tolles Teehaus in der Nähe, zu 30% in eine Galerie, zu 5% sonstwo, und die restlichen 5% sind die echten interessierten Chinesen, die sich auch Deinen Zielen anschließen. Mit so einer manch gewieften Nepperei muß man rechnen.
Couple Corner. Hier trifft man auf Menschen jenseits der 45. Sie halten Täfelchen vor der Brust, auf der Maßangaben wie 1,70m oder 85kg stehen. Auf manchen sind auch Passfotos zu sehen. Was hier passiert, ist das Zusammentreffen von Eltern und Großeltern, die versuchen, einen Partner für ihr Kind/Enkelkind zu finden. Aus irgendeinem Grund ist die Blutgruppe eines der wichtigsten und entscheidenden Details. Ihr solltet Euch mal in dieser Ecke einfach hinsetzen und zuschauen. Fotos solltet Ihr, wenn überhaupt, verdeckt machen.
Games Corner. Diese Ecke habe ich einfach so genannt, weil sich hier jung und alt zum Brett-/Kartenspiel einfindet. Während die einen im Mittelpunkt stehen und spielen, schaut eine ganze Horde sehr interessiert zu. Teilweise kennt man sich, ist aber für das Zuschauen nicht essentiell.
Sep 18
Eines meiner liebsten Aktivitäten ist, Leute zu beobachten. In Saarbrücken setzt man sich am besten in die Tante Maja am St.Johanner Markt. In Shanghai ist es die Haupteinkaufsstraße, die Nanjing Road. Am Abend gehen die bunten Lichter an und der Charm der Straße erwacht. Setzt man sich in ein Café, kann man bei einem fruchtigen Getränk das Treiben ins Auge fassen:
- Man bemerkt, daß verschiedene Bettler immerzu die gleichen Runden drehen.
- Postkartenverkäufer sprechen die gleichen kaukasischen Touristen an, vielleicht, weil sie sich nicht die Gesichter merken können. Wir sehen und aus ihrer Sicht auch sehr ähnlich.
- Prostituierte sprechen Männer an und bieten ihren Service an. Bedenklich ist, daß der Zuhälter in sicherer Entfernung die Ansprechversuche beobachtet. An einem anderen Abend hat er mich persönlich angesprochen und gefragt, ob ich Sexmit einer schönen Frau haben will.
- Touris, die stehen bleiben und sich umschauen. Als Opfer leicht auszumachen, werden sie gleich angesprochen.
- Europäer und Amerikaner, die zielstrebig die Straße entlanglaufen, wohnen und arbeiten in Shanghai. Formvollendet tragen sie Einkaufstaschen statt Rucksäcke und tragen modische statt funktionale Kleidung. Sie werden nicht belästigt.
- Kinder verkaufen Blumen und treten dabei sehr penetrant auf. Teilweise krallen sie sich an den Touri fest. Man weiß nie, unter welchem Druck sie stehen. Eines Abends bettelte eine Frau mit einem Kind in der Metro. Dabei führte sie das Kind an der Schulter, während das Kind mit einem verbrannten Gesicht die Geldbüchse hielt, traurig schaute und mit einer gebrochenen Stimme um Geld bat. Ähnliches sahen wir einige Tage später mit einem blinden Kind. Die Mutter stupste es an und gab ihm Signale, die Sprache zu wechseln,je nachdem ob es sich einem Chinesen oder einem Touristen näherte.
- Die Touribahn, die ihre Runden durch die Nanjing Road zieht.
Und vieles, vieles mehr.
Sep 18
Es gibt mindestens einen guten Grund, nach China zu reisen: Tee. Ähnlich wie Franzosen für Weine und Weinkenner bekannt sind, sind Chinesen die wahren Meister im Teeanbau und Teegenuß. Es ist eine Wissenschaft für sich. Der Endkunde achtet neben der Sorte auf das Anbaugebiet, die Größe der Blätter, Anzahl von Zweigen in der Ernte, und natürlich dem Geschmack. Nun, ich bin ein Tee Genießer, doch bin ich noch sehr weit entfernt von einem Kenner.
China weiß um seine Gabe und Händler bieten Tee überall an. Als Tourist kauft man in der Regel in einem der touristischen Zentren oder in einem Teehaus ein. Ich hatte das Glück, mit Carsten zu einem kleineren, abgelegenen Komplex zu fahren, in dem verschiedene Händler ihre Ware wie auf einem Markt verkauften. Hier waren Touristen bestimmt keine Kunden. Allein schon deswegen, weil die Händler nur chinesisch sprechen. Wir sind bei einem hängen geblieben, weil er verschiedene, große Teesäcke vor dem Laden stehen hatte. Man kann annehmen, daß diese so von der Plantage angekommen sind. Auf eine schlichte Frage wurden wir ins Geschäft zu einer Teeprobe eingeladen. Der Händler bereitete uns verschiedene Sorten in verschiedenen Qualitätsstufen zum Vergleich vor. Ich war richtig beeindruckt, denn zu einer richtigen Teekultur gehört auch das begießen einer kleinen Buddhafigur. Danach gab er uns das Buquet zum Beschnuppern und schließlich goß er in kleine Schälchen ein. Wir nahmen uns Zeit, doch schon sehr früh beschloß ich, meinen Tee in dem Laden zu kaufen. Neidisch schauten die anderen Teehändler rüber und beobachteten, wie ich einen guten grünen, eine Jasmin und einen Oolong Tee kaufte.
Sep 18
… arbeitet in einem Supermarkt in Shanghai. Ich bin ja schon so manche Plus Kassiererin und ehemalige Hela Kassiererinnen in Saarbrücken gewohnt. Sie eint ein Hang zu überlangen Fingernägeln, der allein ein Hinderungsgrund für schnelles Tippen ist. Meine neue Entdeckung ist jedoch ein Mann mit einem verpennten Gesichtsausdruck, der nicht nur alles über den Counter zieht, sondern auch alles schön ordentlich einpackt. In aller Ruhe. Auch auf die richtige Tütenzuordnung kommt es an. Da ist es verpönnt, frisches Essen mit Plastikverpackungen in eine Einkaufstüte zu stecken. Ach ja, wenn einem Kunden ganz kurzfristig einfällt, daß er was vergessen hat, dann zieht er einfach los und holt was. Nachsicht waltet. Die Langwierigkeit an der Kasse fiel mir auf, als ich nach einem längeren SmallTalk immer noch neben dem selben Bonbonsortiment neben der Kasse stand.
Nichtsdestotrotz: Die Öffnungszeiten sind gigantisch gut. Jeden Tag und zu jeder Zeit, zu der ich laut Statistik am häufigsten wach bin, waren die Läden geöffnet.
Sep 18
Auf einem kurzen Trip durch Shanghai sind wir auf einem alten Betriebsgelände gelandet, wo junge Künstler ihrer modernen werke in Gallerien ausstellen. Sicherlich, einen gewissen Kunstgeschmack muß haben, aber im Prinzip ist dieser Ort sehr sehenswert. In einer Gallerie wurden wir zu einer Flash-Präsentation eingeladen. Hierzu wurde der Vortrag für uns - die einzigen Kaukasier im Raum - ins englische übersetzt. Nun sind wir Konferenzpräsentationen gewöhnt und erwarten, daß der Vortragende schnell zum Punkt kommt. Hier jedoch ist mir leider nur die elend lange Biografie der Aktiven hängen geblieben. Als wir merkten, daß es noch eine zweite Präsentation gibt, sind wir gegangen, nicht ohne uns für das Ausharren noch einige Häppchen zu greifen. 
Sep 13
Schaut man genau hin, fällt einem auf, daß rote Unterwäsche häufig zum Trocknen rausgehängt wird. Nun ist es nicht so, daß Chinesen einen besonderen Sinn für Erotik haben - tatsächlich möchte ich das anzweifeln - sondern sie folgen einem “Aberglauben”. Das Jahr 2007 steht im Element des Feuers und im Tierzeichen des Schweins. Diejenigen, die im Zeichen des Schweins geboren sind, haben demnach ein schwieriges Jahr vor sich, und um Unglück abzuwenden, wird ein Jadebuddha und/oder rote Unterwäsche getragen.
Daß Chinesen wenig Sinn für Erotik haben leite ich aus folgenden Dingen ab: sie verstehen manchmal Zweideutigkeiten nicht und es gibt weniger Sexshops. Ich habe nur einen gesehen. Im Gegensatz dazu scheint Prostitution verbreitet zu sein. Man sollte sich grundsätzlich von verdeckten Massageläden, und von dubiösen Frisörläden fernhalten. Auf der Nanjing Road (Haupteinkaufsstraße) sollte man mit einem frivolen Angebot rechnen (und ablehnen). Der Zuhälter ist nicht weit entfernt. Dubai dagegen - ein islamischer Staat- ist Sexshop befreit. Man sollte daher sehr aufpassen, was man ins Land einführt.
Aber wo wir schon bei der Wäschebetrachtung sind. In Shanghai hängen die Chinesen ihre Wäsche gerne überall hin. Auch mitten auf die Straße neben die friedliche Anordnung Ihrer Puschen. Das Vetrauen in den guten Willen ist unendlich groß.
Ach ja, ein anderer Aberglaube besagt, daß man an einem bestimmten Tag, Spielgeld (symbolisch) verbrennen soll. Alternativ darf man auch einen Daimler ins Feuer fahren. 
Sep 13
Wo soll man bloß shoppen? In Shanghai,oder in Dubai? Meine Antwort darauf ist: Will man sicher ein Orginal kaufen, dann in Dubai. Ansonsten mit ein Spannung und viel Geschick beim Handeln in China.
In Dubai gibt es jede bekannte Marke und es stimmt, daß man günstiger als in Deutschland einkaufen kann. Bei manchen Produkten jedoch habe ich eher den Eindruck, daß lediglich die Mehrwertsteuer eingespart wird. Nun gut, ich gebe zu, in einem Elektronik laden kann man auch nicht handeln und de facto habe ich mich nur nach einem iPod nano (alt) umgeschaut und gelegentlich nach CDs und DVDs.
Da Apple Produkte grundsätzlich eine Preisbindung haben, kann man hier nicht auf Schnäppchen hoffen. Und in China nicht auf Orginale, glaubt man ein Schnäppchen gemacht zu haben. Hier der Vergleich von Dubai zu Deutschland:
| Gerät |
Deutschland |
Dubai |
| iPod nano 2GB |
149 |
115 |
| iPod nano 4GB |
199 |
156 |
| iPod nano 8GB |
250 |
197 |
| iPod 30GB |
269 |
218 |
| iPod 80GB |
369 |
299 |
Der Preisunterschied liegt bei ungefähr 20-22%. Geht man von einem aktuellen Dollar Kurs von 1,35 USD/EUR, dann müßte ein iPod nano 8GB ca. 185 (26%) kosten. Geht man von einem Wertverlust über die Zeit aus und rechnet einen Konkurrenzkampf auf, dann müßte der Preis wesentlich niedriger sein. Leider sieht Apples Politik das nicht vor. Die Preise bleiben bestehen, bis ein neues Produkt auf den Markt kommt.
Ganz anders sieht es bei CDs und DVDs aus. Kauft diese in China. In Dubai scheint ein Konglomerat sich auf einen Preis geeinigt zu haben. DVDs kosten rund 18 EUR. Zum Vergleich, in Shanghai kosten diese 3,50 - 5 EUR in einem staatlichen Laden, bei dem man annehmen kann, daß die Medien echt sind. Die “pseudoechten” Produkte kosten 2-2,50 EUR. CDs kosten meist einen Euro. Ich habe mir die komplette Akiro Kurosawa Sammlung (33 DVDs) für 30 EUR gekauft. Die komplette Akte-X Box (Staffeln 1-9) juckten mir auch in den Fingern - kein Wunder bei 70 EUR. Ähnliches gilt für Bücher, wobei hier die Eigenart ist, daß das Cover auf chinesisch bedruckt wurd, innen drin ist der Text aber auf englisch. Ach, was hätte ich Shoppen können!!!
Klamotten: Zumindest die internationalen Topmarken würde ich in Dubai shoppen. China hat aber auch eigene Marken, die nur den chinesischen Markt beliefern. Zu denen kann man vielleicht auch greifen. Was mit einer gefälschten Adidas Kappe passiert, seht ihr im folgenden Bild: Die Schnalle zersetzte sich langsam nach 10 intensiven Tagen voll Schweiß und Meerwasser.

Sep 12
Wir haben uns an unseren Lebensstil gewöhnt und pflegen einen gewissen Standard. Uns fehlt die Erfahrung, reich zu sein, aber auch Armut kennen wir nicht. Shanghai bietet die Gelegenheit, beides kennenzulernen, so daß es einem wieder bewußt wird, wie gut wir es haben mit unserem Standard.
Arme Menschen zu finden, ist in Shanghai kein Problem. Häufig reicht es, eine Seitenstraße zu betreten. Eine solche ist in der Nähe von K&Cs Wohnung. Die Menschen selbst fallen nicht direkt auf, aber sobald man beim Obsthändler oder beim Dumpling-Verkäufer sich versorgt, blickt man auf 4 qm Geschäft und 4 qm Wohnfläche für eine ganze Familie dahinter. Manche sind obdachlos und schlafen auf der Straße. Es gibt Gassen, die führen durch das Bad und die Küche mancher Chinesen, was soviel heißt, daß sie in der Gasse eine Ecke zum Kochen und zum Baden der Kinder haben. Und plötzlich gehen da so einige Kaukasier einfach durch - ungehemmt - und niemand stört sich daran. Welch Diskrepanz. Allein meine Klamotten und meine Spiegelreflexkamera, die ich immer bei mir hatte, könnte eine ganze Familie drei Jahre lang gut versorgen. Da kam ich mir schon ein wenig overdressed vor. Konsequenterweise habe ich keine Fotos gemacht.Das habe ich mich nicht getraut und würde auch die Würde der Menschen verletzten. Das einzige Foto, daß ich gemacht habe, war von einer Frau, die mir gerade leckere Nudeln im Wok auf offener Flamme zubereitet hat. Carsten hat für mich sie um Erlaubnis gefragt.
Während die Wahrnehmung der Armut uns aufs Gemüt drückt, scheint die Chinesen das gar nicht zu stören. Ganz im Gegenteil: Sie freuen sich sehr, wenn Leute bei ihnen einkaufen. Insbesondere Ausländer, die auch noch einige Brocken chinesisch können. Sie lächeln Dich an und winken grüßend sogar vom weiten zu, wenn sie Dich wieder erkennen. Die Freundlichkeit dieser Menschen bleibt mir als prägendes Ereignis in Erinnerung. Und vielleicht auch deswegen empfand ich Freude, wenn wir hier zum Essen einkauften.
Und keine zwei Stunden später sitzt Du in der Cloud 9, also im 88. Stock des Jin Mao Buildings, und schlürfst einen Cocktail. Der Jin Mao ist eine architektonische Schöhnheit. Ich kenne kein anderes gebäude, daß mich so geflasht hat, wie dieses. Die Fassade hat eindeutig einen asiatischen Zug. Da sie aus viel Stahl besteht, umfaßt der Farbraum des Gebäudes belichtet am Abend sämtliche Grautöne. Einserseits sieht es abstoßend und bedrohlich aus, andererseits auch sehr elegant und macht neugierig. Die Eleganz resultiert meines Erachtens aus den vielen Eisentreben, die dem Gebäude den Eindruck vermitteln, es würde aus Streichhölzern zusammengebaut sein. Eine andere Sache, die beeindruckt, ist, wenn Ihr Euch an den Fuß des Gebäudes am Abend stellt und in die Höhe schaut. Es scheint als würde die Spitze im Dunkeln verschwinden. Einfach fantastisch!
Wenn Ihr schon da seid und die Cloud 9 besucht, macht einen Abstecher in das Atrium im 54. Stock. Ein atemberaubender 30 Stockwerke hoher Hohlraum und unten spielt der Pianist. Übrigens in diesen 30 Stockwerken ist das Gran Hyatt Hotel und von jedem Flur kann man über den Balkon in das Atrium schauen. Auf Flickr gibt es jede Menge Fotos. Ich habe nicht daran gedacht, selbst eines zu machen.Zwar gilt der Pearl Tower als das Wahrzeichen Shanghais, doch der Jin Mao ist einfach viel cooler!
Armut und Reichtum in 2 Stunden. Welch Koexistenz. Und welch eine Bereicherung für die Sinne.
Nachtrag: Der Arme hat so wenig und teilt das wenige auch mit Fremden. Als wir einmal Essen holen waren, kam ein Mann mit seiner Tochter und bot uns Zigaretten an. Anscheinend ist es unhöflich, diese Geste abzulehnen. Carsten, ein Nichtraucher, hat angenommen. Da ich ein überzeugter und unnachgiebiger Nichtraucher bin, habe ich leider abgelehnt. Dies wurde mir jedoch nicht negativ angerechnet. Uff.
Sep 12
Vor einiger Zeit zitierte ich im Blog: “Wenn China erwacht, erzittert die Welt”. Nun,ich kann uns wieder beruhigen: China wird wieder einschlafen. Eines der auffälligsten Dinge in China ist der Schlafbedarf seiner Bevölkerung und die Kunst, sich in den unmöglichsten Situationen ein Nickerchen zu gönnen, ohne es an der Ästhetik fehlen zu lassen. Der Hausmeister setzt sich in den klapprigen Liegestuhl, legt die Hände hinter den Kopf und vergewissert sich, daß die Welt in Ordnung ist, bevor er die Beine lang macht und einschläft. Der Verkäufer in der Mall stützt kurz mal den Kopf am Verkaufstisch ab. Der Motorradfahrer lehnt sich einfach auf seinem Sozius zurück, wechselt noch einige Worte mit einem Kollegen, bevor beide das Reich der träume konsultieren. Der LKW-Fahrer platziert seine Beine über das Lenkrad, parkt sich tief in seinen Fahrersitz ein und legt die Arme hinter die Kopflehne.
Der Herr auf dem unteren Foto liest zwar Zeitung, aber es macht nur einen geringen Unterschied zu einer Schlafposition.

Doch die wirklich witzigste Begegnung war, als Carsten und ich abends auf Motivsuche zum Fotografieren waren. In den Augen eines Chinesen muß das so ausgesehen habe: Schau mal, ein ausländischer Teufel. Na, der packt aber aus. Was der wohl vor hat. Aha, er baut ein Stativ auf und befestigt seine Kamera daran. Oh,und nun verrenkt er sich, um ein Foto zu machen von dem Word Financial center zu machen. Oho, so wie er sich verrenkt, muß er ein Profi sein. Na ich frage ihn mal.
Freundlich zeigen wir ihm die bisher gemachten Fotos und er macht ein staunendes Gesicht, zeigt uns den Daumen und sagt: “Good. Good.” Weil er anscheinend nichts besseres zu tun hatte, setzte er sich auf den Sims neben uns und betrachtetet unser Treiben. Ich machte noch einige Fotoserien, packte meine Sachen und wollte mich von dem guten Herrn verabschieden. Doch da lag er schon friedlich auf dem Sims und schlief. Sein Fahrrad leistete ihm Gesellschaft.
Ihr seht, das Tempo Chinas ist endlich. 
Sep 11
Was ich alles im Urlaub gegessen habe, paßt auf keine Kuhhaut und dafür, daß ich bis vor einigen Jahren noch Eßstörungen hatte, ist dieses Abenteuer gar nicht übel. Für viele Leckereien hatte ich nicht einmal einen Namen. Während in Shanghai meist die chinesische und die japanische Küche genüßlich zur täglichen Vertilgung herangezogen wurde, gab es im Hotel in Dubai jeden Tag einen Themenabend und ergänzte die Palette durch eine mediterrane und arabische Küche.
Das Essen in China war fantastisch. Meist sind wir in ein kleines Restaurant und haben auf die Karte gezeigt und ‘digge’ gesagt, was übersetzt ‘das da’ heißt. Macht man das einige Male in kurzer Abfolge hintereinander, hat man ein hübsches Menu für drei Leute und zahlt 7,50 EUR.

Die Frische, die Würzung, der Geschmack der Speisen und Früchte ist phänomenal und man fragt sich, wie wir in Deutschland das hochgezüchtete und wässrige Zeug noch essen können. Eines der interessantesten Früchte, zumindest dem aussehen nach ist die Dragenfruit:

Besonders experimentell wird es, wenn man sich an ganz ungewöhnliche Speisen heranwagt. Beim Japaner habe ich alles gegessen, was mir empfohlen wurde. Und Carsten und Oliver haben fast schon in Ekstase die Karte konsultiert und eine Sache nach der anderen gewählt. Hinterher hieß es: “Probier mal das.”, “Hast Du das schon gekostet?”, “Das ist besonders lecker.” usw. In der zweiten Runde durften Amy und ich aus der Karte aussuchen und sie schien mir Gutes tun zu wollen und mich zu mästen. Was ich alles gegessen habe, weiß ich nicht. Aber in den darauffolgenden Tagen fielen Namen wie “Zunge” und “Seeigel”. Wie der Abend aussah, entnehmt dem folgenden Bild:

An einem Samstag hat uns die Haushälterin von K&C bekocht. Morgens nahm sie uns mit auf den Markt, handelte unnachgiebig und suchte uns nur das beste heraus. Eingekauft wurden lebende Speisen, die den Kochtopf nicht überlebten, aber uns umso besser mundeten. Sehr lecker, schaut selbst, wie toll unsere Schrimps und Krabben aussahen:
 
Übrigens den Panzer der Krabbe kann man innen auslöffeln. Außerdem beachtet, daß Shrimps im Wasser eher weiß/durchsichtig sind statt rot. Glaubt nicht “Findet Nemo”. Das ist nicht authentisch.
Was ich definitiv nicht probiert habe waren Aale und Frösche, die es auch lebend auf dem Markt gab:

In diesem Sinne: Guten Appetit!!!
PS: Einmal wollten wir nach dem Essen bezahlen und die Serviererin raunte durch den Raum zu ihrer Kollegin: “Sie Ausländer wollen zahlen.” Ich glaube, sie vergaß, daß K&C durchaus chinesisch verstehen.
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