Nach der Konferenz in Oxford fuhr ich direkt mit dem Zug nach London. Dummerweise bekam ich keinen Sitzplatz und mußte eine Stunde stehen. Für die Fahrt bis zum Hostel habe ich großzügig 90 Minuten eingeplant, es wurden weit über zwei Stunden. Ich machte mir schon sorgen, daß ich zu spät komme, da ich Tina, Julia und Carsten angekündigt habe, so gegen 18.30 Uhr da zu sein. Tina Carsten sollten sollten eine Stunde später ebenfalls am Hostel ankommen, Julia erst gegen 21.00 Uhr.
Meine Pläne für den Abend sind insgesamt durcheinandergepurzelt. Ursprünglich hatte ich die Idee, meine englischen Freunde am Freitag Abend zu treffen. Dadurch, daß die deutschen Freunde erst später eintreffen sollten, wurden diese Planung gleich abgeändert Schlußendlich konnten die englischen Freunde eh nicht ausgehen.
Jedenfalls setzte kam ich als erster am freitag an, habe eingecheckt und gleich für die anderen mitbezahlt. Das Hostel heißt übrigens Astor Museum Inn und ist direkt gegenüber dem Britischen Museum. Eine Toplage! Das Hostel selbst ist in Ordnung, die Leute waren freundlich und die Durchreisenden ganz nette Menschen. Übrigens steigt man in der Gunst der Fremden sehr hoch auf, wenn man einen Universalstromadapter dabei hat. Daran denken nämlich die wenigsten. So habe ich gleich in unserem 12er Zimmer die Lockenwickler und Handies der Damen einstöpseln können — Zack, schon ist man im Gespräch.
Gut, ich sitze immer noch vor dem Hostel und warte.In der Zwischenzeit verläßt ein sehr attraktives Mädel das Hostel und fragt mich, ob ich mit Ihr einen trinken gehen möchte. Verdammt! Das ist mir noch nie passiert. Und gerade jetzt muß ich auf meine Freunde warten, die jeden Moment eintreffen. Das hat mich gleichzeitig aufgebaut aber auch geärgert.
Meine Freunde kamen eine Stunde später. Und nicht Tina und Carsten, wie gedacht, sondern Julia. Nun darfst Du lieber Leser zu Recht einwerfen, daß wir in der modernen Welt leben und ich mich doch per Handy mit meinen Leuten in Kontakt setzen könnte. Habe ich auch: Carsten hat kein Handy und Tina hat ihres einfach nicht eingeschaltet. Soviel dazu.
Irgendwann waren alle da, wir waren hungrig, also sind wir um die Ecke zum Inder essen gegangen. Das war fantastisch und sehr lecker. Auch mein Huhn, das fälschlicherweise mit Gullasch von meinen Freunden tituliert wurde. Gut, das war noch witzig. Daß Tina aber ihre Geldbörse im Restaurant vergißt und das Fehelen erst am nächsten Tag bemerkt, war nicht witzig. Da wir das zu dem Zeitpunkt noch nicht wußten, hatten wir einen super Abend. Ein dreistündiger nächtlicher Spaziergang durch London erfrischte uns: Leicester Square, Piccadily Circus, Big Ben, Thamse, The London Eye, und vieles mehr. Was wirklich gut ist, daß ich mittlerweile ohne Stadtplan durch die City laufe, so gut kenne ich die Stadt.
Übrigens, auf dem zum Leicester Square sind wir an diversen Clubs vorbei. An einem war die Schlange recht lang und Julia schloß folgerichtig, daß lange Schlangen für gute Clubs sprechen, also sollten wir am Samstag Abend dahin gehen. Carsten und ich waren dagegen: Julia entging das 3×4 Meter große Schild, auf dem erleuchtet durch sehr helle Birnen ein “GAYS” stand. Das ist eine Art blinkende Schrift auf einer Webseite. Konsequenterweise standen — oh Wunder — nur Männer an. Die wenigen Frauen, die ich sichten konnte, hockten am Borstein und übergaben sich auf die Straße. Noch Fragen. Julia hatte keine mehr.
Um 2 Uhr in der Nacht haben wir dann nach einem langen Tag wieder ins Bett gefunden. Die Nacht wurde eh kurz, da wir als Berufstieger das frühe Aufstehen gewöhnt sind.
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