Das war ein heißer Ritt letzte Woche! Das Wochenende bei Freunden in Berlin verbracht, Montag und Dienstag an einer Konferenz in Berlin teilgenommen, am Mittwoch zurück mit dem Zug nach Saarbrücken und ab zum Spinning, und Donnerstag Nacht um 3.30 Uhr klingelt der Wecker, weil ich den Zug nach Koblenz (zum Workshop) um 4.45 Uhr nicht verpassen durfte. Noch am gleichen Tag um 20.00 war ich zurück in SB und feierte den Abschied vom Ubu Roi bei einem alkoholfreien Weizen und einem Capuccino. Eine Woche lang nur 6 Stunden Schlaf pro Nacht. Kein Wunder, daß ich den am WE aufholte.
Auf dem Weg zurück von der Silvesterparty in Holland, bin ich in Koblenz in den Zug nach Saarbrücken gestiegen. In Saarlouis, das sind ca. 20 Minuten vor Saarbrücken, kommt die Durchsage:” Sehr verehrte Fahrgäste, wegen eines Weichenproblems hält dieser Zug in Saarlouis und fahrt nach einem kurzen Aufenthalt wieder zurück.” Das war es. Keine Durchsage, was die verehrten Fahrgäste stattdessen machen sollten. Am Schalter in Saarlouis saß eine einsame Figur, die auch nicht mehr wußte als wir. So standen wir ratlos da, keine Ahnung, ob die Bahn einen Ersatzbus organisiert, oder ob doch noch mal ein Zug fährt. Jedenfalls gab es keine Taxischeine. Nach einer halben Stunde fuhr ein Bummelzug ein, der dann doch nach einer kurzen Wartezeit, weiter nach Saarbrücken bummelte.
Man müßte die Deutsche Bahn für Ihre kleinen Pannen lieben. So wurden die Zuggäste eines RE von Saarbrücken nach Koblenz genüßlich unterhalten. Man stelle sich folgenden Ablauf einer Reihe von Durchsage im Minutentakt vor:
- “Sehr verehrte Fahrgäste. Der nächste Halt ist Konz Hauptbahnhof.” Diese Ansage kam vom Band. Erstens, der nächste Halt wäre in Saarburg. Und zweitens, dieser RE hält nicht in Konz.
- “Sehr verehrte Fahrgäste. Der nächste Halt ist Saarburg Hauptbahnhof.”, korrigierte der Zugchef.
- “Sehr verehrte Fahrgäste. Der nächste Halt ist Saarlouis Hauptbahnhof.”, tüdelt wieder die Ansage vom Band. Naja, an Saarlouis waren wir schon vorbei, der Zug hat nicht kehrt gemacht, und rückwärts fährt er auch nicht.
- “Sehr verehrte Fahrgäste. Der nächste Halt ist Saarlouis Hauptbahnhof.”, insistiert die Ansage.
- “Sehr verehrte Fahrgäste. Der nächste Halt ist Saarburg Hauptbahnhof.”, korrigiert sich wieder die Ansage vom Band.
- Und schließlich entschuldigt sich der Zugchef: “Sehr verehrte Fahrgäste, ich bitte um Entschuldigung für die verwirrenden Durchsagen.” Inzwischen sind wir auch im Bahnhof angekommen und konnten uns selbst anhand der Schilder von unserem Zwischenstopp überzeugen.
Man stelle sich nur eine solche Ansage im Flugzeug vor: “Sehr verehrte Fluggäste auf dem Weg nach Südafrika von Frankfurt machen wir einen Zwischenstopp in Frankfurt Hahn.”
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich über die Bahn beschweren, aber diesen Dampf will ich ablassen. Ich, Martin Homik, Inhaber einer BahnCard 25, habe am Fr-So an einem Workshop in Kaiserslautern teilgenommen. Dazu mußte ich jeden Tag hin und her pendeln. Um Kosten zu sparen, verwende ich den Nahverkehr, was bedeutet, mit dem Studentenausweis kann ich bis Homburg umsonst fahren und muß lediglich ein Ticket von Homburg nach Kaiserslautern kaufen.
Freitag: Es ist 7:40 Uhr. Der Zug geht um 8:00. ich stehe am Fahrkartenautomaten und will ganz stolz schnell eine Karte kaufen. Ich habe konzentriert die richtigen Knöpfe gedrückt. Die Verbindung ist rausgesucht und nun wie weiter? Hier muß doch was von "bezahlen" stehen. Nada. Vielleicht soll ich ohne Aufforderung eine EC-Karte einstecken? Nada. Eine Bahncard? Nada. Nochmal von vorn. Ich komme komme zum gleichen ergebnis. Ich kann mir den Fahrplan ausdrucken, aber dann geht es nicht weiter. Ich frage eine Bahnbedienstete, die mir zielstrebig bestätigt, daß ich auf "Fahrkartenkauf" drücken soll und nicht auf "Fahrplanauskunft". Ich dachte, ich wäre genauso vorgegangen. Aber dann auf ein Neues. Nada. Eine andere Bedienstete tänzelt vorbei. Auf meine Anfrage, erklärt sie: "An diesem Automaten werden keine Anschlußtickets ausgestellt." Das hätte mir der Automat gefälligst auch sagen sollen und nicht einfach einen Startbahnhof auswählen lassen.
Die Zeit drängt und ich muß zum Schalter. Ich habe Glück, die Schlange ist kurz. Und dann erwische ich eine Trulla, die auch nach fünf Jahren Ausbildung keine Ahnung von Bahntickets haben wird. In aller Ruhe, durchforstet sie das System nach den richtigen Einträgen. Noch 4 Minuten bis zur Abfahrt. Sie findet es nicht und fragt die Kollegin. Noch 3 Minuten bis zur Abfahrt. Nun hat sie es: "Sammeln sie Punkte?". Ich verschlucke die Antwort und presse ein "Nein" heraus. Ich bezahle, schnappe mir das Ticket und renne zum Bahnsteig. Nur noch zwei Minuten. Am Bahnsteig kommt der Zug pünktlich. Ich hüpfe rein, setze mich und schaue auf das Ticket: Die Trulla hat die Bahncard 25 nicht mitbegerechnet.
Samstag: Ich erreiche den Bahnhof und will zum Schalter, in Gedanken an Trulla. Die Schalter werden erst in einer halben Stunde eröffnet. Erinnert Ihr Euch an den Automaten? Richtig. Der stellt keine Anschlußtickets aus. Was nun. "Da kann man nichts machen. Das ist so. Und im Zug können sie auch nicht lösen. Sie müssen in Homburg aussteige, neues Ticket kaufen, und dann weiter." Ich dachte, ich hätte mich verhört. Aber die gute Frau konnte nichts dafür. Sie macht nur ihren Job. Also habe ich ein komplettes Ticket von Saarbrücken nach Kaiserslautern gelöst. Mit Bahncard 25. Am Bahnsteig dann die Durchsage: "Wegen Bauarbeiten fährt der Zug nur bis Homburg." Bitte??? Aber immerhin wurde ein Schienenersatzverkehr bereitgestellt (Bus). Das verlängerte allerdings meine Fahrt um eine halbe Stunde.
Der Samstag war noch nicht vorüber. Nach dem Workshop habe ich am Bahnhof wieder den Bus zurück nach Homburg genommen. Während ich so im Bus sitze und die langweilige Landstraße genieße, überholt rechts ein Regionalexpress mit Aufschrift: "Saarbrücken". Da fehlene einem die Worte.
Sonntag: Sonntage sind kritische Tage. Mein Dilemma wurde dadurch gesteigert, daß morgens auch die Busse nicht fahren. Also verließ ich die Wohnung um 7:15 und lief zum Bahnhof. In Kaiserslautern lief ich vom Bahnhof zur Uni, da eine Wartezeit von 20 Minuten inakzeptabel ist.
Nun ist es spät, ich bin zu Hause, vermisse meine Kollegen, die gemeinsam Grillen. Aber ich bin unversehrt in Saarbrücken und nehme morgen wieder den altbekannten Bus zur Uni.







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