Die Funktion der unverbindlichen Preisempfehlung in der Marktwirtschaft erschließt sich mir nicht. Warum gibt der Produzent einer Ware eine Empfehlung heraus, was ist Ihre Bedeutung, und warum hält sich der Handel daran? Kann mir das einer erklären?
Die mir einzig vernünftige Erklärung scheint zu sein, daß der Produzent den Endverbraucher schützen möchte und unlautere Preistreiberei außer der eigenen verhindern will. Demnach ist die unverbindliche Preisempfehlung ein Maximalgebot, das man beim Einkauf eines Produktes nicht überschreiten soll. Dumm nur, daß Warenhäuser in heller Einigkeit der unverbindlichen Preisempfehlung folgen und den Minimalpreis dem Maximalpreis anpassen. Als Kunde schaut man dumm aus der Wäsche.
So ging es auch mir letzte Woche. Ich wollte mir einen neuen Pulsmesser der Firma Polar (Modell F11) anschaffen. Zunächst habe ich mich über mein Fitness Studio geärgert. Hinter einer schönen Glasvitrine lagen die begehrten Modelle geschmückt durch ein Preisschild, das natürlich die unverbindliche Preisempfehlung von 149 EUR bezifferte. Andernorts wird man mit Partnerprogrammen und Mitgliederrabatten zugemüllt, nicht aber bei der FitCom. Na gut, was will man von einem Unternehmen auch erwarten, das auf der eigenen Webseite iPods verkauft, die teurer als bei Apple selbst sind.
Ich bin dann einen Tag später rüber zu Sport-Check und traf natürlich auf eine schicke Vitrine und die unverbindliche Preisempfehlung. Direkt gegenüber ist der Karstadt und im zweiten Stock eine recht große Sportabteilung. Auch hier hütet man die Schätze hinter eine Glasvitrine und fesselt sie an die unverbindliche Preisempfehlung.
Frustriert habe ich das Internet konsultiert und man stelle fest: Es geht auch anders. Auf Amazon kostet das Objekt der Begierde nur noch 125 EUR. Ein Blick auf Ebay schlägt das ganze nochmal. Ich habe mir nun die F11 für 100 EUR bestellt. Und das war noch nichtmal der günstigste Händler: Zu haben war die F11 bereits ab 89 EUR.
Liebe FitCom, Sport-Check, Karstadt und Konsorten. Das Prinzip von Ladenhütern ist Euch doch klar, oder? Kundenzufriedenheit ist Euch doch auch kein unbekannter Begriff, oder? Kein Wunder, daß sowohl bei Sport-Check als bei der FitCom Gerüchte im Umlauf sind, daß die Läden nicht genug Kunden haben.
Was soll das liebe Wirtschaft? Ich kenne die Buchpreisbindung, aber die Pulsmesserpreisbindung war mir neu. Ich gebe gerne offen zu: Ich gehe mittlerweile in die Stadt, um die Produkte vor dem Kauf mit dem Auge zu erfassen. Ganz nach dem Motto: Nur gucken, nicht anfassen. Letzteres mache ich mit einem zufriedenen Lächeln nach einem Shoppingabend im Internet.
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Ich habe irgendwo mal gelesen, dass die Preisempfehlung an die Läden die das Produkt verkaufen gerichtet ist. Die Produzenten seien nicht erfreut, wenn diese Empfehlung unterboten wird. Aber warum, dass weiß ich auch nicht.
Aber interessant mal darüber nachzudenken. “Unverbindliche Preisempfehlung”, das ist so ein Begriff mit dem man aufgewachsen ist und nicht hinterfragt. Genauso wie “Milky Way - schwimmt sogar in Milch”. Macht Holz auch, na und? Oder “Kinderschokolade - mit dem besten aus einem Liter entrahmter Milch”. Was soll das sein? Die weißen Farbstoffe? Der Zucker?
Über das Zustandekommen von Preise habe ich auch schon oft und lange nachgedacht. Vor allem, nachdem ich zum ersten Mal gesehen hatte, was die Sachen hier in China kosten, und zu welchen Preisen das wirklich genau gleiche Produkt in D verkauft wird. Durch Transportkosten allein lässt sich das eigentlich nicht erklären. Ein Freund meinte, das Verkaufspersonal in D wäre halt so teuer, was ich wiederum auch nicht nachvollziehen kann. Hier werde ich nämlich von anscheinend preisgüngtigen, aber freundlichen Chinesen bedient, in D von ranzigem, aber teurem Personal, dass sich ärgert, wenn der Kunde dumm fragt.
Bye-bye Germany.
wenn ich das richtig im kopf habe, ist die unv. peisempf. das, was nach der aufhebung der markenpreisbindung in den 70er jahren entstanden ist. man durfte den preis nicht mehr vorgeben, nur empfehlen.
das hat dann das leben für tante emma-läden im vgl zu supermärkten erschwert und die aufnahme von markenartkeln im discounter-sotriment möglich gemacht. (und erklärt, warum sich supermarktketten in deutschland erst später so massiv entwickelt haben im vgl zum ausland, wo das schon viel früher der fall war)
so viel zum historischen exkurs…
Huch, da hat doch mal ein Artikel ein wenig Aktion bewirkt. Hey, Katrin, danke für die Infos. Das macht Sinn, was Du schreibst. Daran erkennen wir aber auch, wie rückwärtsgewandt manche Händler sind, wenn sie noch an alte Modelle kleben.
das thema einzelhandel war ja schließlich teil meiner magisterarbeit, daher die kenntnis. hat mich dann auch prompt dazu angergt, noch mal in meiner arbeit nachzulesen…
das mit den hohen preisen könnte übrigens nicht nur an den händlern liegen, sondern vielleicht auch an den (unterschiedlichen) einkaufspreisen, die die hersteller ihnen gewähren.
Interessant. Kommt hier noch ein weiterer Beitrag? Möchte gern einiges mehr darüber wissen. Kannst du mir per Mail weiterhelfen?