London Retro, Teil 2

Reisen Add comments

Meine erste Woche in London ist vergangen, wird also Zeit, meinen Bericht wieder aufzunehmen. Hier ein weiterer Bericht der Seltsamkeiten Londons.

Die Tube ist schon klasse. Nicht nur, daß sich die Stationen alle unterscheiden, und daß die Underground selbst zum Souvenierverkaufsschlager geworden ist. Sie ist wirklich ein kleines Abenteuer. Hin und wieder bleibt mal ein defekter Wagen stehen. Dann haben die Leute ein Problem. So wie Robert der Sohn des Hauses, der neulich drei Stunden brauchte, um nach Hause zu kommen. Da er quasi bei mir um die Ecke arbeitet, hat er den gleichen Heimweg, der maximal Tür bis Tür 45 Minuten dauert. Übrigens, wer die Wahl hat, sollte unbedingt die Treppe anstatt den Aufzug nehmen, um zur Underground zu kommen. Ihr tretet einem Föhn entgegen, der nicht schlecht ist. Ich lasse gerne mal einige Leute und langhaarige Frauen den Vortritt, um mir das Schauspiel anzuschauen.

Die Tube scheint eines meiner Lieblingsthemen zu werden. Ich habe die Leute mal beobachtet. Die meisten sitzen auf ihren Plätzen und lesen Zeitung. Ist schon interessant wie sich die Kulturen unterscheiden. In Singapur spielen sie an ihren Handies oder MP3 Sticks. Wie auch immer, jetzt verstehe ich auch, warum es eine Abendausgabe von Zeitungen gibt. So haben die Leute auch auf dem Rückweg etwas zu lesen. Und sie bleiben up to date. Dieser Zeitungskonsum wirft neue Probleme auf. Wohin mit der Zeitung, wenn man sie ausgelessen hat bzw. wenn man die Tube verläßt? Na klar, Mülltrennung ist angesagt. So steht vor den Eingängen zu den Undergroundstationen einfach eine kleine Armada von Mülleimern mit Aufschrift ‘Newspapers only.’ Mittlerweile kaufe ich regelmäßig die Times.

Neulich war ich übrigens bei Subway ein Baguette essen. Hinter der Theke stehen drei Leute. Dem ersten sagst Du die Größe deines Baguettes und was da Besonderes rein muß. Bei mir war es ‘Chicken’. Dann wirst Du weitergereicht. Dem nächsten erklärst Du, was sonst noch auf das Baguette soll: Salat, Käse, Gurken, Tomaten. Außerdem welche Soße drauf soll. Die Auswahl erscheint auf den ersten Blick schwierig, da sie vielfältig ist. Da mein Vokabular beschränkt ist, wähle ich Ketchup. Wieder werde ich weitergereicht und lande an der Kasse, wo ich noch schnell ein Getränk ordere und bezahle. Mit dem linken Ohr horche ich, welche Soße mein Nachfolger ordert, damit ich mehr Varianten streuen kann. Ich habe nun mein Riesenbaguette in der Hand, was eigentlich unter Medium läuft und will mir einen schönen Tisch suchen. In dem Moment realisiere ich, daß dieses Subway ein Internatcafe ist, mit so um die 50 Plätze. Vielleicht auch mehr. Ich fand aber auch so einen kleinen Tisch ohne Monitor. Beim Rausgehen sehe ich übrigens, wie einer bewußtlos unter dem Tisch liegt. Hoffentlich hatte er ein anderes Baguette als ich. Da hier neben schönen und freundlichen Menschen viel Wirres läuft, war mein Samariterinstinkt nicht sonderlich ausgeprägt. Also bin ich in Richtung Oxford Circus weitermarschiert.

Eine der Studentinen, eine leicht verpeilte Chinesin, macht ihre Masterarbeit an der UCLIC (meine Gruppe). Sie hat mir angeboten, mir ihre Arbeit zu zeigen. Sie untersucht Schnittstellen für haptische (den Tastsinn betreffende) Geräte. Genauer gesagt, hat sie ein Gerät zum Zeichnen bekommen. Der Arm des Gerätes hat sechs Achsen und ist in der Lage den Druck mit dem man den Stift bedient zu messen. Das Ziel ist es, die Arbeit eines Malers (Künstlers) zu erfassen und zu simulieren. Dabei soll sich das Gerät so natürlich wie möglich anfühlen. Ihre erste implementierte Version hat mich nicht zum Meister reifen lassen. Meine Bilder hatten gerade das Level ein Kindergartenkindes. Und selbst dieses hätte ein besseres Bild zeichnen können. Aber eigentlich wollte ich etwas anderes erzählen. Sie hat ihren Arbeitsplatz (ein cubicle) im neuen Computer Science Gebäude. Es ist ganz offensichtlich, daß dieses Gebäude von keinem Human Computer Interaction Experten entworfen oder kontrolliert wurde. Allerdings muß irgendjemand ganz besonders von Technik fasziniert gewesen sein uns hat somit seine Ideen einfließen lassen. Seitdem das Gebäude offiziel bezogen wurde kursieren Beschwerde E-Mails. Dieses Gebäude ist intelligent. Intelligent insofern, daß es das Licht selbst einschaltet. In den Räumen gibt es nämlich keine Lichtschalter. Ein Bewegungssensor registriert, wenn sich jemand im Raum befindet und schaltete das Licht an. Toll, was? Der Nachteil ist, daß dieses besonders helle Licht, welches innerhalb von wenigen Stunden Kopfschmerzen verursacht, auch bei direkter Sonneneinstrahlung angeht. Dafür geht es aus, wenn die Leute ganz still sitzen. Mir tun jetzt schon alle Japaner in diesem Gebäude leid, die nun zu minimalen Bewegungen vor ihrem Rechner gezwungen werden, um die Lichtanlage ihre Arbeit tun lassen zu müssen.

Weitere Eigenarten sind die Zimmernummerierungen, der Lift und überhaupt. So findet Ihr den Raum 1.22 direkt neben 1.74. Wollt Ihr statt den zwei Aufzügen im Eingangsbereich die Treppe nehmen, geht ihr ins Treppenhaus, wo sich ein weitere Aufzug befindet. Und überhaupt sind die Gänge unübersichtlich und es gefällt mir nicht. Auch wenn manches davon sehr modern ist.

Das Wochenende ist vorbei und ich habe meine ersten Sightseeing Touren hinter mir. Ich werde nicht viel darüber schreiben, denn Ihr kennt es eh. Buckingham Palace, Downing Street 10, Westminster Abbey, National Gallery, Oxford Street, Piccadilly Circus, Tower Bridge, London Tower, Soho, Strand, Themse, etc.

Zu erwähnen ist, daß ich diese selfmade Touren in bitterer Kälte absolviert habe. Ich habe mir zudem vorgenommen, in ein oder zwei Musicals zu gehen. Ich versuche mir morgen Tickets für das Queen ‘We will rock you’ Musical zu besorgen. Alternativ bietet sich ‘A life in the theatre’ an mit Patrick Stewart als Hauptdarsteller. Ich weiß, daß er von der Bühne kommt und dort immer wieder spielt. Deswegen möchte ich ihn außerhalb seine atypischen Rolle als Captain Jean Luc Picard sehen. Ach ja, und ‘Stomp’ stehen mittlerweile ihr drittes Jahr auf der Bühne in London. Ein Musical mit Jason Donavan schenke ich mir.

Ich habe mir auch vorgenommen, einige Male das British Museum zu besuchen. Da meine Kollegen eher kurze Mittagspausen machen, werde ich schnelles mampfen mit Stundenbesuchen im Museum verbinden. Es liegt ja quasi in der Nachbarstraße meiner Arbeitsstätte.

Auf dem Rückweg durch Camden Town, fühlte ich mich am WE nicht ganz so sicher. WE heißt Party Time und das ruft so einiges auf die Straße. Frauen laufen verboten aufgedonnert durch die Gegend und ein Punk zieht an einem öffentlichen Geldautomaten sein Geld für den Abend. Außerdem stehen überall Leute rum, die Dir was verkaufen wollen. Manche gucken Dich verdächtig schief an und mancher ruft Dir im Vorbeigehen ‘Hashish’ ins Ohr. Aber solange man dies ignoriert, ist alles in Ordnung. Robert hat mir erzählt, daß er praktisch jedes WE in Camden Town verbringt und bisher ist ihm nichts passiert, Diese Leute gehören einfach zum Straßenbild. Und irgendwie stimmt es ja, denn es gibt auch jede Menge normaler Leuter hier. Außerdem gibt es viele Geschäfte und auch Touristen. Also kann es gar nicht so schlimm sein.

So, dann will ich Euch eine schöne Woche wünschen. Ich sammle weitere Eindrücke und werde sie Euch zuschicken.




One Response to “London Retro, Teil 2”

  1. Adam Says:

    I didn’t know that such a thing is possible :O

Leave a Reply

2009 Life is a bitch!. Send email message .